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Was bin ich froh, dass die Festivals so langsam alle vorbei sind! Die letzte Woche war wirklich ermüdend, dafür hab jetzt aber auch für die nächsten acht Jahre was zu verarbeiten. Zum Abschluss des Fringe-Festivals (Theater) gab's noch eine Macbeth-Aufführung im Innenhof eines Universitätsgebäudes. Wie bereits schon an früherer Stelle erwähnt, kann eine klassische Shakespeare Aufführung hier inmitten des Festivals nichts mehr reißen - darum muss was Ausgefallenes her.So ist es also schließlich eine polnische Inszenierung geworden: "Macbeth - Who is that bloodied man?".
Als verkaufsfördernder Untertitel trug es "Macbeth - auf Stelzen - mit Motorrädern". Also dann.
Leider konnte ich nur ein paar wenige schlechte Fotos machen, eh ich freundlichst dazu aufgefordert wurde, das doch bitte zu unterbinden. Ich kann auch schwer beschreiben, was ich gesehen hab. 'Strange' trifft es, glaube ich, ganz gut. Zumindest fühlte ich mich im Nachhinein irgendwie unterhalten. Wäre ich aber nicht zufällig mit einer Englisch-Lehrerin dagewesen, hätte ich absolut null verstanden...
Ablenkung schön und gut, aber Sonntag war wirklich die Luft raus. Hab mich dann aber doch noch abends in einen deutschen Film geschleppt. 'Auftauchen' ein Film, der zum 'Best of the Fest' gehört und daher neben ein paar anderen Filmen an diesem Tag noch einmal gezeigt wurde.Im Gegensatz zum Samstagsfilm war dieser aber eher unterirdisch, mehr Porno als Drama. So haben die Hauptdarsteller wirklich porno-like die große Liste der Sexpraktiken abgearbeitet, eh sie sich trennten. Mehr Handlung gab's nicht.
Der Samstag sollte eigentlich was ruhiger werden, weswegen Kino auf der Tagesordnung stand. Ich also spätnachmittags vorbei an unser wunderschönen McEwans Brauerei, die immer einen herrlichen Malzgeruch über den Meadows verbreitet, gestiefelt. Hin zum Kino um Karten für die Spätvorstellung des Closing Night Movies des Filmfestivals zu kaufen.
Sagt der Kerl einfach: "Haha, die ist doch schon seit Wochen ausverkauft.... aber willst du nicht ein paar Return-Tickets für die Hauptvorstellung in 10min haben?" (hat er natürlich nicht so gesagt, konnte ja kein Deutsch). Ich also mit T-Shirt und Jeans in die Closing Night Gala, wo sonst nur so feine Schnösel mit Anzug und Schöselinnen mit Abendkleid rumliefen und hab mir den Film "Two Days in Paris" von Julie Delpy anschauen dürfen.
Die dann auch spontan mit ihren Eltern (wie sie selbst ebenfalls in Hauptrollen in dem Film vertreten) vor die Menge trat und ein wenig über sich und den Film und ihre Eltern geplaudert hat. Was ein Spaß!
Völlig fertig bin ich am nächsten Morgen aufgewacht und wusste, dass das noch lustig werden kann. Denn für Freitag war ebenfalls Programm angesagt: zunächst war eine Diskussionsrunde mit Ian McEwan und Ian Rankin (beides Schriftsteller) angepeilt, die aber leider ins Wasser fiel, da ich mehr oder weniger unverschuldet 5min zu spät da war und keine Nachzügler eingelassen wurden :(
Hab mir dann als das vorbei war so ein doofes Autogramm geholt, damit ich wenigstens irgendwas von dem Geld hab - steh ja so überhaupt nicht auf Autogramme! Dafür hab ich jetzt eine handsignierte Ausgabe von 'Atonement' auf Englisch, die ich aber in Deutschland gekauft hab, zudem war er auch noch so nett, was Deutsches für mich reinzuschreiben, da er mal einige Jahre in Deutschland gelebt hat - wird sicher mal viele Tausend Millionen Euro wert sein...
Dann gings zum anderen Ende der Stadt in den Holyrood Park am Fuße des Arthur's Seats. Dort befindet sich nämlich das Meadowbank Stadium...
...indem nicht nur ich mich einbefunden habe...
...sondern zufälligerweise auch die Kaiser Chiefs! Der Knaller, wirklich eins der besten Konzerte, auf denen ich je gewesen bin. Was ich nicht erwartet hätte ist, dass die um Längen besser waren als die Peppers! Dagegen war das Konzert am Vortag wirklich ne Beerdigung. Da hatten die Kaiser Chiefs wahrscheinlich aber auch einen kleinen Heimvorteil.
Dann am darauf folgenden Tag das packende Fußballspiel England-Deutschland. Und das an einem der heißesten Tage des Jahres - mit Sicherheit über 20°C!!
Was macht man bei so einer Gelegenheit? Klar, ein BBQ mit einem Einmal-Grill in wunderschönem Ambiente vor den Flats!
Die Leute, die hier so begeistert gucken (haben die Frechheit besessen, für England zu grölen!) sind von links nach rechts Carlos aus Spanien, dann Concetto mit seiner Frau Manuela aus Italien und ihr momentaner Besucher, der kein Englisch spricht und daher ständig lächelt und nickt.
Eins der lustigsten Konzerte, die ich je gesehen habe, war ganz klar das des Orkestra del Sols - eine Gypsy-Polka-Folk-Band. 10 Leute mit lustigen Instrumenten, die nicht nur Musik machen, sondern dabei auch noch todeslustig schauspielern. Kann ich nur weiterempfehlen, Polka ist der Knaller!
Ihr fragt euch, warum ich so bescheuert aussehe? Ganz einfach: man muss sich anpassen, wenn man erzählen will, was hier in Edinburgh gerade abgeht.
Seit etwa 2 Wochen ist die Stadt ein Open-Air Zirkus, denn die Festivals haben begonnen! Stolze 11 an der Zahl! Da wären zum Beispiel mehrere Theaterfestivals, ein Filmfestival, ein Buchfestival, ein Militärfestival und und und. Insgesamt wird es hier im August über 2000 verschiedene Shows geben! Darunter Comedyshows, Theaterstücke, Kabarett, Filmvorführungen, Musicals, Opern, Konzerte...Dementsprechend viele Touristen quetschen sich momentan dann auch durch Edinburghs Gassen. Jeder Pub, jedes Restaurant, jeder Club ist zum Bersten voll. Nicht nur das, überall entstehen plötzlich neue Pubs und Biergärten, jede Kirche wird in einen Verantstaltungsraum umgewandelt. Venues sind nun überall, es sind über 300!Die Vielzahl an Shows und Veranstaltungsorten macht es allerdings auch schwierig, sich für irgendein Venue zu entscheiden. Doch freundlicherweise wird einem bei der Entscheidungsfindung geholfen.
Plakate und Flyer findet man plötzlich überall, geht man durch die Stadt und passt kurz nicht auf, hat man auf einmal zwanzig Flyer in der Hand. Plakate werden stündlich überklebt, so dass die Littfasssäulen dramatisch an Volumen gewinnen.
Auffallen lautet die Devise, und, das muss man ihnen lassen, das können sie! Die lustigsten Sachen kann man kaum festhalten, nackte Flyerverteiler, verrenkte Flyerverteiler, verkleidete Flyerverteiler, singende Flyerverteiler...
Die Menge macht's. Geht man einmal über die Royal Mile, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Besonders die Künstler, Akrobaten und Irren, die mittendrin noch ihre freien Shows abhalten, runden das Bild ab und rechtfertigen den Namen Freakshow.
Würdest du dein Kind in die Nähe dieses Luftballonbastlers lassen?
Dieser Herr jongliert nicht nur auf einem Pfahl mit Dolchen, nein, er hat sich auch in Heimarbeit einen seltsamen Rotor gebaut, den er in seinen Mund stecken kann und an dessen Ende eine Stange mit Klingen rotiert. "Spektakulär".
Nun ja, wo ich schon mal im Second-Hand Laden war, dachte ich, pass ich mich mal an und nutze die Gelegenheit, um einen Punkt meiner To-Do-Liste abzuhaken:
Es muss mal ein Wort über das britische Essen fallen. Wer behauptet, die Briten hätten die schlechteste Küche Europas, der vergisst die kleinen Feinheiten, die den Britischen Gaumen unverwechselbar machen:
Zunächst einmal die rauen Mengen Fleisch, die selbst zum Frühstück serviert werden. Würstchen und Speck kann man wirklich zu jeder Tageszeit essen!
Besonders lecker: das ALL DAY BREAKFAST, mjam, mjam, das kann man wirklich täglich essen, kann kaum genug davon bekommen!
Dann natürlich der Klassiker: SPAM. Lecker in jeder Lebenslage, dank Monty Python auch im Internetzeitalter noch in aller Munde.
Dieses Gericht ist eine ganz feiste Kreation: Hähnchenbrust gefüllt mit Haggis - lässt sich nicht mehr toppen!
Zum Abschluss noch den Big Kahuna Burger, der mir in einem Lokal über den Weg gelaufen ist. Leider wird er seinem Namen nicht gerecht, hat mit dem Original wenig zu tun (hätte ja wenigstens ne Ananasscheibe erwartet!). So blieb mir der Satz "mhhm, das ist ein guter Burger" im Halse stecken...
Letztes Wochenende hab ich mir mal die Kulissen von Braveheart, Rob Roy und Harry Potter angeschaut. Sehen aus wie echt!
Mit einem Mietwagen und Gladys der Uruguayanerin ging's zuerst Richtung Westen raus aus Edinburgh und dann ab in die Natur. Erster Höhepunkt der Reise war Glen Coe, ein Tal in dem ein berühmter Schottenclan, nennen wir ihn McA, einen anderen Schottenclan, nennen wir ihn McB, hinterhältig abgeschlachtet hat. Ziemlich üble Geschichte mit Hinterlist, falschen Freundschaften und etlichen Toten. Ist aber trotzdem sehr beeindruckend, nur schwebt ständig eine fette Regenwolke im Tal. Da kann es davor und dahinter noch so sonnig sein...
Weiter Richtung Westen ging's dann mit einer Fähre über eins der tausend Lochs von Schottland (dieses war Loch Linneh. Obacht: kein Loch im eigentlichen Sinne, da Teil des Meeres und kein See) und dann mit ca. 10Mph entlang der Küste auf Feldwegen zur nächsten Fähre in Lochaline. Ständig der Gefahr von einer Million frei rumlaufenden Schafen und Kühen ausgesetzt.
Eine einspurige, asphaltierte Straße ist dort schon das höchste der Gefühle. Doch da man quasi alleine durch die Gegend düst und überall Ausweichbuchten vorhanden sind, ist das mit der Einspurigkeit dann auch kein Problem.
Lochaline selber kann man kaum als Dorf bezeichnen, besteht eigentlich hauptsächlich aus dem Fähranleger und einem Coffee Shop.

Genau so sieht allerdings auch die Dorfjugend aus...
Mit der nächsten Fähre ging's dann zum eigentlichen Ziel der Reise nach Mull, genauer: Isle of Mull. Von diversen Schotten als Geheimtipp empfohlen, soll man dort Schottland noch ungestört genießen können.
Die Straßensituation sah dort allerdings nicht anders aus, aber immerhin hat man somit kein Problem mit dem Linksverkehr.... zumindest bis man dann plötzlich wieder auf zweispurige Straßen kommt und natürlich NICHT daran denkt, in welchem Land man eigentlich gerade ist.
Zwischenstopp in einem gemütlichen Bed & Breakfast in Fionnphort (sprich "Finn-i-fort", keine Ahnung, wie die das daraus lesen, aber nach Edinbra schockt mich nichts mehr!). Offen wie ich bin, lass ich eigentlich keine regionale Spezialität unprobiert. Doch da Finnifort landesweit für seine Inzest bekannt ist, hab ich doch auf eine Demonstration verzichtet. Soll aber gut für die Blutlinie sein, hab ich mir sagen lassen! Hat aber auf der anderen Seite den Nachteil, dass die ohnehin überwiegend hässlichen Schotten in diesem Teil der Insel geradezu angsteinflößend sind. Fühlte mich ein wenig in einen Roman von H.P. Lovecraft versetzt... Innsmouth lässt grüßen.
Erfreulicherweise teilt die Insel aber nicht den Schönheitsgrad ihrer Bevölkerung und geht stattdessen in Richtung paradiesisch. Nimmt man mal den enormen Wind weg und legt 15 Grad drauf, dann könnte man glatt an Südsee denken.
Die Schafe holen einen auch recht schnell mit ihrem Geblöke aus Südseeträumen nach Schottland zurück.
So schön!
Am nächsten Morgen haben wir dann noch einen schnellen Abstecher nach Iona gemacht. Diese kleine, vorgelagerte Insel ist aus folgenden Gründen recht berühmt:
a) Sie ist sehr schön.
b) Ungefähr wie ich hier stand vor ein paar hundert Jahren irgend so ein fanatischer Christ, der von Irland herübergesegelt kam, um alle Heiden zu konvertieren, i.e. abzuschlachten, und Schottland von allen keltischen Kulten zu befreien. An der immensen Anzahl an Denkmälern, die hier errichtet wurden, kann man ablesen, wie dankbar die Schotten den Christen dafür sind...
c) Wegen des beeindruckenden Duns, was in diesem Bild versteckt ist und ein uraltes keltisches Gebäude ist. Oder zumindest ein kleiner Überrest davon. An dieser Stelle möchte ich doch mal erwähnen, dass ich seit kurzem Mitglied der "Friends of Historic Scotland" bin. Die Mitgliedschaft in diesem elitären Club ermöglicht mir, laut Broschüre, "über 300 historische Stätten in Schottland kostenlos zu betreten". Schwer beeindruckt las ich das Kleingedruckte: "Davon über 60 kostenpflichtig für Nichtmitglieder".
Ich hab noch nicht in meinem Mitgliedsheft nachgeschaut, ob dieses Dun auch zu den 300 Attraktionen gehört, aber wenn, dann hat sich der Beitritt schon jetzt für mich gelohnt!
d) Iona ist ein Fleck absolut unberührter Natur. Bei gutem Wetter kann man sogar hinten rechts im Bild Irland sehen!
e) Wegen dieses tollen Friedhofs. Hier liegen nicht nur alle MacDonalds begraben, sondern auch alle Burger Kings, ich meine, Schotten Kings (Wüstenbusch!). Hier liegt sogar Macbeth persönlich. Leider ist das Grab nicht markiert, somit konnte ich kein Andenkenfoto von mir mit Thumbs-Up neben dem Grab machen :(Bei dem Thema Macbeth fällt mir ein, dass mir wärmstens ans Herz gelegt wurde, auf dem momentan stattfindenden Edinburgh Fringe Festival eine Vorführung von Macbeth anzuschauen. Da Macbeth hier im Laufe der Jahre wohl zum meistgespielten Stück wurde, kann eine normale Interpretation mit schönen Kostümen und guten Schauspielern nichts mehr reißen. Empfohlen wurde mir daher die Version in Russisch auf Stelzen. Bisher hab ich aber nur Tickets für "Macbeth in einer Hüpfburg" gefunden.
Ein weiterer Geheimtipp lenkte uns an eine einsame Küste von Mull, wo es scheinbar noch Adler geben sollte. Und tatsächlich, wie deutlich auf diesem Foto zu erkennen, sahen wir einen.
Wenn man das obige Bild mit dem CSI-Infini-Zoom (TM) vergrößert, dann sieht man ganz deutlich: ein Adler.
Zum Abschied von Mull gab's dann noch die besten Fish & Chips, die mir hier bisher über den Weg gelaufen sind. In ner Hafenkneipe - wo sonst.
Dann also wieder zurück zum Festland.
Auf einer anderen Route zurück, vorbei an tausenden wunderschönen Lochs (hier: Loch Shootmedead).
Bis wir dann schließlich nach vielen, vielen Stunden im Auto zum Finale Grande zum größten, tiefsten, längsten, wasserreichsten oder irgendein anderes -sten Loch kamen: Loch Lomond. By the way: Der "Supercomputer" auf dem ich arbeite heißt auch Lomond... coincidence?